Wie du zufriedener wirst durch weniger Anhaftung

Wie du zufriedener wirst durch weniger Anhaftung
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Es kann uns ziemlich unzufrieden machen, wenn wir zu sehr an den Dingen anhaften, die wir haben.

Ich habe vor einiger Zeit einen Artikel über die beiden Haltungen „Mangel und Fülle“ geschrieben, in dem ich beschreibe, dass eine Mentalität der Fülle dich viel freier im Denken und Handeln macht. Und dass eine Mangelhaltung dich einengt.

Und das Prinzip der Anhaftung geht definitiv in Richtung der Mangelhaltung.

Wenn du sehr an etwas anhaftest, dann ist immer eine unterschwellige Angst vorhanden, dass du genau das, woran du anhaftest, verlieren könntest. Dass du dann irgendwann ohne diese Sache dastehen könntest.

Vielleicht glaubst du auch, dass du ohne dieses Objekt deiner Anhaftung nicht glücklich sein kannst. Aber das stimmt nicht! Du hast doch bestimmt auch schon einmal davon gehört, dass diejenigen Menschen besonders glücklich sind, die sehr wenig besitzen.

Du kannst es dir so vorstellen: Jede Sache, der du zu sehr behaftet bist, ist wie ein Bauklotz, der an dir kleben bleibt. Wenn du zu viele und zu große Bauklötze an dir kleben hast, bist du immer mehr in deiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

In jedem Fall nimmt dir eine zu starke Anhaftung etwas von deiner inneren Freiheit.

In diesem Artikel beschreibe ich dir, an welche Dinge du überhaupt anhaften kannst. Du erfährst, wie du eine Anhaftung bemerkst und wie du sie nach und nach auflockern kannst.

Woran du so alles anhaften kannst

Ich schrieb bisher die ganze Zeit von „Sachen“ und „Dingen“, an denen du anhaften kannst. Wenn du dich fragst, an welchen „Dingen“ man überhaupt anhaften kann, gebe ich dir hier einige Beispiele:

  • An tatsächlichen Gegenständen, wie beispielsweise ein teuer erworbenes Auto.
  • An eine Person, zum Beispiel deinen Partner.
  • An eine Rolle, mit der du dich zurzeit sehr stark identifizierst. Diese kann zum Beispiel die Rolle des immer starken Ernährers der Familie, eines Vaters, einer Mutter oder eines Geschäftsführers sein.
  • An bestimmten Gedanken, zum Beispiel Glaubenssätzen über dich, wie du zu sein und was du zu tun hast.

Es geht also nicht immer nur um Gegenstände, an die du anhaften kannst.

Wie du erkennen kannst, dass du zu sehr anhaftest

Die Anhaftung ist eine rein geistige Sache, eine Sache, die nur in deinen Gedanken und Gefühlen stattfindet.

Allerdings werden wir mit diesen Gedanken und Gefühlen im alltäglichen Strom regelrecht überflutet. Wir sind uns ihrer oft gar nicht mehr bewusst und haben uns schlimmstenfalls innerlich gegen sie aufgelehnt.

Der universelle Tipp ist deshalb: Mache dir deine Anhaftungen bewusst.

Genau jetzt, während du diese Zeilen hier liest, ist ein besonders guter Moment der Bewusstwerdung:

  1. Gehe einmal in Gedanken alles durch, was du so besitzt. Und damit meine ich Dinge aus den oben genannten Kategorien, an denen man so anhaften kann. Bei Glaubenssätzen ist es sicherlich etwas schwerer als bei Gegenständen, aber ganz bestimmt findest du auch hier etwas (weil wir alle ein gewisses Repertoire an solchen haben).
  2. Frage dich zu allem, was dir einfällt: Wie sehr würde es mich treffen, wenn ich dies nicht mehr hätte? Würde es mir nichts ausmachen oder wäre ich am Boden zerstört?

Stelle dir beispielsweise vor, wie es für dich wäre, wenn jemand dein Auto stehlen würde. Was würde in deinem Inneren passieren? Würdest du kochen vor Wut, voller Aufregung zur Polizei rennen, danach bei Facebook alle Diebe dieser Welt beschimpfen und dir sofort Sorgen machen, wie du ab jetzt zum Supermarkt fahren kannst? Oder würdest du erst einmal diese Situation bewusst wahrnehmen, die Polizei informieren und dir denken: Naja, dann werde ich jetzt halt eine Zeitlang mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahren.

Oder wie würdest du dich fühlen, wenn dein Partner dich verlassen sollte? Würde eine Welt für dich zusammenbrechen oder würdest du die Situation „ganz gut meistern“ und dich erst einmal mit anderen Dingen ablenken?

Sobald du merkst, dass du dir vorstellen kannst, dass der Verlust einer dieser Dinge dich „total aus der Bahn werfen“ würde, liegt eine größere Anhaftung daran vor.

Ich sage nicht, dass dir im Optimalfall alles total egal sein soll. Ich würde mir nur für dich wünschen, dass deine Reaktion eines solchen Verlustes angemessen wäre.

Es ist beispielsweise völlig normal, dass nach einer Trennung eine gewisse Phase der Trauer und Umgewöhnung vorhanden ist. Aber lasse nicht zu, dass durch so ein Geschehen dein Fundament zusammenbricht.

Wie du die Anhaftung lösen kannst

Die Bewusstwerdung, an welchen Dingen du anhaftest, ist schon ein sehr großer Schritt auf dem Weg dahin, sie etwas mehr loslassen zu können.

Aber es gibt leider nicht den einen schnellen Geheimtipp, der dir alle deine Anhaftungen nimmt. Es handelt sich um einen etwas längeren Prozess, dafür könnte er aber umso nachhaltiger sein.

Du solltest am besten jeden Tag etwas für dich und deine innere Entwicklung tun. Jeden Tag nur ein kleines bisschen.

Du kannst zum Beispiel ab und zu diese Übung anwenden: Lasse in deinen Gedanken all diese Dinge einmal wirklich los. Und wenn du dir dies wirklich einmal genau vorgestellt hast, dann lasse all die Dinge, die dir wirklich wichtig sind, ganz automatisch wieder zu dir kommen.

In einem anderen Artikel habe ich diese Übung genauer erklärt. Schau unbedingt einmal rein.

Nimm dir aber auch jeden Tag, oder auch „nur“ zwei bis dreimal in der Woche, spezielle Zeiten nur für dich. Sie müssen nicht lang sein, ein Spaziergang von 30 Minuten reicht schon aus. Aber denke während dieser Zeit nicht an Probleme in der Zukunft. Sei lieber ganz bewusst nur bei dir und im Hier und Jetzt.

Am Ende möchte ich dir noch eine kleine Challenge mit auf den Weg geben: Lasse einen ganzen Tag lang so viele Anhaftungen wie möglich los. Löse dich auch mal von deinen bevorzugten Rollen (Versorgerrolle, der Helfer für alle, Vater, Mutter, Sportler, Führungskraft, Gamer oder mit was auch immer du dich gerne identifizierst). Mache einen Tag mal überhaupt nichts von dem, was mit deiner „normalen Rolle“ so zu tun hat. Tue einfach, was dir außerhalb deiner „normalen Identität“ so Spaß macht. Und komme am Abend, oder sogar erst am nächsten Morgen, langsam wieder in deine gewohnten Tätigkeiten an.

Viel Spaß bei dieser kleinen Challenge!

Ach, und eine Sache ganz zum Schluss noch:

Sei nicht zu verkrampft beim Versuch, alle Anhaftungen loszuwerden. Es ist völlig normal, dass wir Menschen an Dingen anhaften, an manche stärker und an manche weniger stark. Der Weg der Mitte (so schwierig er auch manchmal auszubalancieren ist) ist hier sicher eine gute Metapher.

Auch ich hafte noch an ganz vielen Dingen an. In vielen Bereichen ist es schon weniger geworden. Die Entwicklung dahin ist langsam, dafür nachhaltig, verlaufen.

Du sollst keine leere Hülle werden, der alles nur noch egal ist. Nein, lasse immer noch Gefühle zu, wenn Dinge sich manchmal aus deinem Leben verabschieden sollten.

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