Was ist Schuld? Und was sind Projektionen?

Was ist Schuld? Und was sind Projektionen?
Bildquelle: Pixabay

Es ist leichter, die Schuld für irgendetwas auf jemand anderen zu schieben, als sich selbst genau zu reflektieren. Aber was bringt dich wirklich weiter?

Die Schuld ist für mich eine Art tickende Zeitbombe, die man möglichst schnell an jemand anderen weitergeben will. Kaum hat man sie, sucht man sich das nächste „Opfer” aus, welches dann sehen muss, wie es damit zurecht kommt.

Aber weißt du, was die Schuld noch für mich ist? Nichts. Nein wirklich, ich glaube, es gibt gar keine Schuld. Sie bleibt nur so lange real, wie wir sie real machen. Die Schuld ist in meinen Augen ein Wert, der von Menschen erfunden wurde. Ich habe noch nie gehört, dass ein Tier ein anderes Tier für etwas beschuldigt hat. Aber das ganze Thema mit der Schuld unter den Menschen ist so komplex, dass ich es in einem anderen Beitrag noch ausführlicher behandeln möchte.

Worum es mir in diesem Artikel geht, ist, dass wenn es die Schuld gar nicht gibt, wir sie auch nicht reflexartig weitergeben müssen. Damit ist nämlich weder dir, noch dem anderen geholfen. Früher oder später wirst du die Schuld sowieso wieder zugespielt bekommen. Wenn es die Schuld also eigentlich gar nicht gibt, kannst du sie doch genauso gut einfach in Luft auflösen. Fertig. Niemand muss mehr daran leiden. Nochmal:

Die Schuld bleibt nur so lange real, wie wir sie real machen!

Und was ich jetzt aber wirklich damit sagen will: Bevor du jemanden beschuldigst, transzendiere deine eigenen Schuldgefühle. Gehe durch sie hindurch und reflektiere dich selbst. Du könntest dich fragen:

  • Warum habe ich eigentlich so eine große Angst vor Situation X?
  • Warum versuche ich mich zu rechtfertigen?
  • Warum nehme ich eine Äußerung überhaupt als Anschuldigung wahr?
  • Was genau in dem Verhalten von Person Y hat mich so verärgert?

Denn meistens passiert beim Beschuldigen nichts anderes als eine Projektion deiner eigenen Gefühle auf einen anderen Menschen.

Ich projiziere meine Gefühle auf andere? Wie denn das?

In der Psychoanalyse zählt die Projektion zu den Abwehrmechanismen. Das bedeutet, dass man bestimmte Gefühle von sich abwehrt, die man nicht fühlen möchte, weil man diese als besonders schmerzhaft empfindet. Die Projektion ist dabei ziemlich raffiniert: Sie stellt eigene negative Empfindungen so dar, als ob andere dafür verantwortlich sind, sodass man sich selbst (scheinbar) zurücklehnen kann. Denn „ich kann ja nichts dafür, dass die anderen so doof sind.

Das Problem an dieser ganzen Sache ist leider, dass du dabei deine eigene Macht und Handlungsfreiheit untergräbst. Das ist über einen längeren Zeitraum sehr schädlich für dein Selbstwertgefühl und damit auch dein Glück.

Ich habe in dem Buch „Das Kind in dir muss Heimat finden” von Stefanie Stahl ein sehr gutes Beispiel für eine Projektion gefunden, welches ich dir mit eigenen Worten präsentieren möchte:

Petra trifft auf Julia und nimmt diese aufgrund ihres Verhaltens als besser und stärker als sie selbst wahr. Petra nimmt ganz automatisch und unbewusst an, dass Julia auf sie herabschauen und sie ablehnen wird, ohne dies überhaupt hinterfragt zu haben. Sie nimmt sich als potenzielles Opfer von Julia wahr.

Als Selbstschutz wendet Petra nun einen kleinen Psychotrick an: Sie beschließt, dass Julia unsympathisch ist und lehnt sie ab. Sie tut also genau das, was sie glaubt, was Julia mit ihr macht. Und das nur, weil sie denkt, es sei so. Sie will ihr unbewusst zuvorkommen, um nicht selber den Schmerz der Ablehnung spüren zu müssen.

Hierzu gibt es noch viele andere Beispiele:

  • Du nimmst andere Menschen als sehr aggressiv wahr, bist aber selbst immer lieb und nett. Hast du schon einmal dein eigenes Aggressionspotenzial hinterfragt?
  • Du glaubst, dass dich niemand mag. Hinterfrage: Mag ich die anderen überhaupt?
  • Du glaubst, dass du etwas nicht kannst. Will dein Unterbewusstes dir nicht einfach nur sagen, dass du es nicht willst?

Ich möchte dir mit diesem Artikel eigentlich nur zwei ganz einfache Dinge ans Herz legen:

  1. Versuche, das Schuldpotenzial auf dieser Welt gering zu halten. Es wird die Welt verbessern!
  2. Achte auf deine Projektionen. Jedes mal, wenn du etwas von dir weist, reflektiere genau, aus welchem Grund du es tust.

Dies war mein kurzes Statement zu Schuld und Projektionen. Wenn du etwas ergänzen möchtest, gerne auch andere Beispiele, würde ich mich über einen Kommentar freuen. Mich interessiert sehr, wie du die ganze Sache siehst.

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