Persönliche Werte definieren in 6 Schritten

Persönliche Werte definieren - Eine Anleitung
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Vielleicht hast du ja schon einmal davon gehört oder gelesen, dass es sehr wichtig ist, eigene, ganz persönliche Werte zu haben und zu vertreten.

Und ja, ich kann es bestätigen, sie sind wichtig.

Wenn du wissen willst, warum: Lese gerne in meinem früheren Artikel über Integrität und Werte nach. Auch dort habe ich schon einen Ansatz beschrieben, wie du deine persönlichen Werte definierst.

Doch in der Zwischenzeit ist eine wertvolle Erfahrung für mich dazugekommen:

Schreibe nicht einfach eine Liste von Werten herunter. Beschreibe für jeden Wert genau, was er FÜR DICH bedeutet.

Wenn ich dir beispielsweise sage, einer meiner größten Werte ist die „Aufrichtigkeit“, dann verstehst du darunter womöglich etwas anderes als ich.

Worte sind Symbole für etwas. Sie sind manchmal so abstrakt, dass sie sehr verschieden interpretiert werden können.

Also, da es so wichtig ist, wirklich exakt bei den Werten zu sein, lass uns direkt mit einer ebenso exakten Anleitung beginnen.

Die Anleitung: Persönliche Werte definieren

Im Folgenden gebe ich dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung an die Hand, um deine persönlichen Werte zu definieren, dich an sie zu erinnern und sie damit auch tatsächlich in dein Leben zu integrieren.

Es ist essenziell, dass du dir für dieses so wichtige Thema Zeit lässt und jeden Schritt in dieser Anleitung gewissenhaft zu Ende führst.

„Spoiler“: Wir fangen mit sehr vielen Werten an (30 oder mehr). Am Ende dieser Anleitung wirst du aber genau acht gut beschriebene persönliche Werte vor dir haben.

Schritt 1: Sammle Werte

Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, erst einmal nur zu sammeln. Schreibe so viele Werte wie nur möglich auf, von denen du den Eindruck hast, sie haben auch nur irgendetwas mit deinem Leben zu tun.

Ein niedergeschriebener Wert ist im Idealfall nur ein einziges Wort. Hier ein paar Möglichkeiten:

Achtsamkeit, Harmonie, Erfolg, Geld, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Disziplin, Balance, Sportlichkeit, Fairness, Kreativität, Ehrlichkeit, Hilfsbereitschaft, …

Dich stört es manchmal, wenn Menschen unpünktlich sind? Dann schreibe „Pünktlichkeit“ auf deine Liste. Du lernst gerne neue Dinge? Schreibe „Lernen“ und/oder „Wissen“ auf. Und so weiter …

Hier kann schon mal eine Liste mit 30 bis 50 (oder noch mehr) Werten auf deinem Papier entstehen.

Versuche es erst einmal auswendig und nur aus deiner eigenen Kreativität heraus.

Wenn dir dann nichts mehr einfällt, lass dich zum Beispiel von der Wertesammlung der Website wertesysteme.de oder nlp-spectrum.de inspirieren.

Schritt 2: Unterstreiche deine wichtigsten Werte aus der Sammlung

Möglicherweise hast du schon während der Erstellung deiner großen Wertesammlung bemerkt, welche Werte dich so richtig angesprochen haben und zu denen du sofort „Ja!“ gesagt oder gedacht hast.

Unterstreiche diese Werte.

Lese dann die Liste noch einmal durch und spüre, ob es jetzt noch Tendenzen für Werte gibt, die dir wichtiger sind als andere. Unterstreiche auch diese.

Du hast möglicherweise jetzt 15 bis 20 unterstrichene Werte. Sehr gut! Es kann weitergehen.

Schritt 3: Nutze deine Erinnerung und Vorstellungskraft

Nun, da du ein gutes Gefühl dafür hast, welche Werte und persönliche Tendenzen es gibt, ist es hilfreich, dir deine Erinnerung und deine Vorstellungskraft zu Nutze zu machen.

Wenn dir dabei auffällt, dass ein von dir unterstrichener Wert noch einmal hochkommt, setze ein Ausrufezeichen dahinter. Wenn dir ein ganz neuer Wert einfällt, schreibe ihn auf und setze ebenfalls ein Ausrufezeichen dahinter.

Spiele nun also das Folgende einmal durch:

  • Erinnerung: Suche dir eine oder mehr Situationen aus deinem bisherigen Leben heraus, in denen du so richtig glücklich und im Vollbesitz deiner Kräfte warst. Vielleicht ein bestimmter Moment im Urlaub? Die Arbeit an einem Herzensprojekt? Frage dich, welche Werte du damals erlebt hast.
  • Vorstellungskraft: Das klingt ein bisschen doof, aber ist auch sehr hilfreich. Stelle dir dein eigenes Begräbnis vor. Stelle dir vor, wie sich deine Liebsten um dein Grab versammeln und einer von ihnen eine Rede über dich hält. Er spricht auch darüber, wofür du besonders bekannt gewesen bist. Für welche Werte möchtest du bekannt gewesen sein, wenn sich deine liebsten Mitmenschen an dich erinnern?

Schritt 4: Fasse Werte zusammen

Du kommst deinen acht wichtigsten Werten immer näher. Falls du jetzt immer noch mehr als acht Werte haben solltest, hinter denen ein Ausrufezeichen steht, versuche herauszufinden, ob du für zwei oder mehr dieser Werte einen Überbegriff finden kannst.

Hast du zum Beispiel unter anderem „Ehre“ und „Würde“ aufgeschrieben, könntest du sie mit dem Wert „Aufrichtigkeit“ zusammenfassen (wenn der Begriff für DEIN Verständnis der Werte passt).

Herzlichen Glückwunsch, du hast nun deine acht wichtigsten persönlichen Werte ermittelt.

Schritt 5: Beschreibe, was die Werte FÜR DICH bedeuten

Was?! Noch ein Schritt? Ich habe doch jetzt meine acht Werte …

Ja, das ist auch schon ein großer Erfolg. Und doch ist dieser fünfte Schritt einer der Wichtigsten.

Ich dachte früher immer, dass ich ja nur eine Liste meiner Werte brauche und dann weiß ich schon, wonach ich leben möchte.

Aber das stimmt noch nicht so ganz. Wie ich in der Einleitung schon beschrieben habe, ist es wichtig, dass du beschreibst, was ein jeweiliger Wert FÜR DICH ganz persönlich bedeutet.

Dein Ziel für diesen Schritt ist es nun, alle deine acht wichtigsten Werte so genau zu beschreiben, dass du sie einer anderen Person unmissverständlich erklären kannst. Das ist auch gleich eine gute Übung dafür, wie sehr du diese Werte wirklich vertreten möchtest.

Schreibe dir jeden Wert erneut auf und überlege dir jeweils eine gute Definition für dich, die du direkt dazuschreibst.

Folgende Fragen können dir dabei behilflich sein:

  • Was bedeutet dieser Wert ganz konkret für mich?
  • Woran merke ich, wenn dieser Wert von mir oder von einer anderen Person verletzt wird?
  • Was fühle ich, wenn der Wert von mir oder einer anderen Person verletzt wird?
  • Wann hatte und habe ich den Drang, diesen Wert durchzusetzen und zu verteidigen, selbst wenn nicht jeder meiner Meinung gewesen wäre?
  • Handelt es sich um meine eigene Meinung zu diesem Wert oder habe ich sie unreflektiert von jemand anderem übernommen?

Fasse dich am besten bei der Definition deiner Werte kurz. Zwei bis drei knackige Sätze, die die absolute Essenz des Wertes für dich beschreiben, sind besser, als ein ganzer Roman dahinter.

Warum? Das erfährst du im nächsten Schritt.

Schritt 6: Betrachte deine persönlichen Werte täglich

Du hast dir nun so viel Mühe für eine wirklich, wirklich wichtige Sache gegeben: Deine ganz persönlichen Werte, die dich in deinem Leben begleiten werden! Es wäre schade, wenn du sie nun einfach wieder vergisst.

Sorge dafür, dass du dir deine Werte jeden Tag kurz vor Augen führst. Das kannst du auf ganz kreative Arten und Weisen machen. Suche dir diejenige aus, die für dich am stimmigsten ist:

  • Schreibe jeden Wert plus der kurzen Definition auf eine Karte. Hänge die Karten verstreut in deiner Wohnung oder zentral an einer Wand oder Pinnwand auf.
  • Schreibe deine Werte ganz vorne in ein Notiz- oder Tagebuch, das du sowieso täglich betrachtest.
  • Stelle dir eine Collage mit schönen Bildern zusammen, worauf du deine Werte in kunstvoller Art und Weise platzierst.

Wenn du deine Werte jeden Tag siehst, erhöht sich auch automatisch die Chance, dass du sie auch tatsächlich lebst.

Werte ändern sich mit der Zeit

Eine Sache noch: Werte ändern sich mit der Zeit. Es wäre naiv zu glauben, dass du diese Übung nur einmal in deinem Leben machen musst.

Das persönliche Wertesystem kann sich in einem Leben mehrmals verändern. Deswegen ist es wichtig, dass du deine nun definierten Werte in regelmäßigen Abständen überprüfst, aktualisierst oder eventuell sogar ganz neu schreibst.

Ich habe mir hierfür einen Serientermin in meinem digitalen Kalender erstellt: „Persönliche Werte überprüfen“. Dieser Termin tritt im 6-monatigen Abstand am ersten Sonntag im Monat auf.

In diesen Termin kann ich nun noch den Link zu diesem Artikel einfügen, damit ich beim nächsten Mal eine exakte Anleitung parat habe.

Du darfst es mir hier gerne gleich tun.

Hast du noch weitere Fragen oder Ergänzungen zu dieser Anleitung? Oder möchtest du sogar deine Werte mit uns allen teilen? Dann gerne ab damit in die Kommentare.

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