Die Mitte fühlt sich leicht an

Die Mitte fühlt sich leicht an
Bildquelle: Pexels

Veganer, Vegetarier oder Fleischesser … politisch rechts oder links … sport- oder musikbegeistert … Metal oder Hip-Hop … „Scheiß drauf“ oder Arbeitstier …

Viele Menschen vertreten in bestimmten Bereichen ganz vehement genau einen einzigen Standpunkt. Und dabei vergessen sie häufig, dass auch andere Sichtweisen ihre Vorteile haben und die eigene nicht frei von Nachteilen ist.

Hier einige Beispiele:

  • Der headbangende Metaller: Er liebt es, zu harter Metalmusik sein langes Haar in der Luft kreisen zu lassen. Außerdem verabscheut er Hip-Hopper. Dabei weiß er vielleicht gar nicht, dass es auch Hip-Hopper gibt, die mit ihren tiefgründigen Texten ein Stück zur Verbesserung der Welt beitragen möchten. Die eben nicht diskriminierende Texte schreiben.
  • Der übermoralische Vegetarier: Er ernährt sich konsequent fleischlos und nimmt jede noch so kleine Gelegenheit wahr, um jemanden, der gerade in aller Seelenruhe sein Salamibrot zu Mittag essen will, in Grund und Boden zu missionieren. Er weiß vielleicht nicht, dass sein Gegenüber sich sehr darum bemüht, nur zwei- bis dreimal die Woche Fleisch zu essen.
  • Das unermüdliche Arbeitstier: Er liebt es, sich mit Projekten und Aufgaben aus seiner To-do-Liste zu überfrachten. Sein Terminkalender ist ständig voll. Und er hat nichts für Leute übrig, die scheinbar nichts aus ihrem Leben machen. Dabei sieht er vielleicht nicht, dass die anderen sehr kreativ sind und diese Kreativität aus einer inneren Ruhe kommt.
  • Der chillende Arbeitsverweigerer: Er ist das genauer Gegenteil vom unermüdlichen Arbeitstier. Er liegt den ganzen Tag faul herum, zockt und tut auf seiner Arbeit nur das Nötigste, bis um Punkt 17 Uhr der Hammer fällt. Er hält nichts von Menschen mit vollen Terminkalendern, übersieht aber möglicherweise, dass einige von ihnen hohe Visionen verfolgen, die die Welt ein bisschen besser machen und die sie innerlich sehr erfüllen.

Und diese Beispiele kann man auf so ziemlich alle Standpunkte und Sichtweisen von Menschen übertragen. Alle haben ihr guten, aber auch nicht ganz so guten Seiten.

Wenn wir hier also nicht aufpassen, schieben wir in unserer verengten Sicht immer nur die Schuld von A nach B.

Wähle den Weg der Mitte

Für deinen inneren Frieden kann es sehr wohltuend sein, einen Weg der Mitte zu gehen. Aber was heißt das eigentlich?

Für mich heißt es, eben nicht immer nur einseitig auf einem festen Standpunkt zu verharren, sondern flexibel zu bleiben.

Flexibel bleiben für das Leben und seine vollkommene Schönheit, auch für die vermeintlich schlechten Dinge.

Übrigens: Was ist überhaupt gut und was schlecht? Die Wahrnehmung eines jeden Einzelnen ist sehr subjektiv.

Das klingt für dich wahrscheinlich sehr nach Zen-Buddhismus. Und irgendwie ist es das auch.

Für mich ist es aber nicht nur Zen-Buddhismus, sondern insgesamt sehr spirituell.

ABER …!

Ja, es gibt hier ein Aber!

Wenn du einen Text wie diesen hier liest, könntest du möglicherweise versucht sein, so etwas wie das Folgende zu denken:

„Okay, dann ist mir das jetzt eben alles egal. Ich lebe nur noch den mittleren Weg. Koste es, was es wolle!“

Auch die Sache mit dem „in der Mitte leben“ kann übertrieben und zu einer festgenagelten Sichtweise werden.

Wirklich in der Mitte zu leben heißt, dass du das „in der Mitte leben“ auch in der Mitte lebst. (Wow, ich bin erstaunt über meinen eigenen Satz)

Was ich damit sagen will: Übertreibe es auch mit dieser Sichtweise nicht.

Wirklich spirituelles-in-der-Mitte-leben bedeutet für mich nämlich nicht, völlig abstinent und fromm zu leben.

Es bedeutet für mich, jeglichen Genuss des Lebens auszukosten. Alles neugierig aufzusaugen und zu versuchen, die Welt und die Menschen in jeder Faser ihrer Existenz zu verstehen.

Und dafür erhalte ich mir, so gut es geht, einen offenen Blick.

Ich esse beispielsweise so gut wie kein Fleisch. Vor einiger Zeit habe ich mich sogar als „Vegetarier“ bezeichnet. Aber ich habe für mich erkannt, dass ich dadurch einem Teil des Lebensspektrums entsage, den ich nicht gänzlich missen will. Es kommt also vor, wenn auch sehr selten, dass ich auch mal etwas Fleisch esse.

Ich verfolge also weiterhin meinen Wert, Tiere zu schützen und sie nicht so sehr auszubeuten, aber schränke meine eigene Sicht nicht ein, indem ich immer nur den Vegetarismus predige.

Denn auch, wenn man nur an einem einzigen Tag in der Woche fleischlos isst, tut man viel für seine Gesundheit, Umwelt und Gesellschaft. Und das finde ich gut und wichtig!

Was du auch tust, höre auf dein Herz

Ich merke schon beim Schreiben, dass ich dieses Thema in einem einzigen Artikel nicht ganz ausschöpfen kann.

Ich will dir hiermit nur ans Herz legen, nach deiner eigenen inneren Mitte zu leben. Höre auf dein Herz und schränke dich nicht zwanghaft ein. Schaue auch über den Tellerrand hinaus.

Tue die Dinge aus tiefster Überzeugung, aber lasse sie auch mal sein. So, wie es dein Befinden dir gerade mitteilt. Du wirst merken, dass sich dein Leben viel leichter anfühlt.

Zu diesem Themengebiet gehört auch eine ganze Portion Vergebung, die es immer lohnt, zu üben und zu kultivieren!

Übrigens: Der Titel dieses Artikels ist inspiriert durch das Buch „Die Mitte fühlt sich leicht an“ von Bert Hellinger. Ich kann es dir nur empfehlen. Und vielleicht verstehst du danach noch ein bisschen besser, was ich meine.

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